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Der Murmann ist die bekannteste Sagengestalt aus dem Ribnitz-Müritzer Großen Moor. Ein guter Geist, der den Menschen hilft und schon viele gerettet hat. Joachim Puttkammer, ehemaliger Pastor in Graal-Müritz, hat die Sagen um ihn und andere Wesen des Moores gesammelt (Joachim Puttkammer: Die Sagen um Graal-Müritz. Bentwisch/Rostock 2004). Aus diesem Buch stammt die folgende Geschichte (S.33f.):

Der Murmann rettet zwei Kinder

An einem Nachmittag im August schickte die Frau eines Holzfällers ihre beiden ältesten Kinder in den Wald, dort Pilze und Beeren und andere essbare Dinge zu suchen. Die Kinder mochten so um die zwölf Jahre alt gewesen sein und hatten noch fünf weitere Geschwister, die den ganzen Tag Hunger hatten. Da versteht es sich, dass die ältesten mithelfen mussten, Nahrung zu beschaffen. „Kommt mir nicht eher nach Hause, bis ihr eure Körbe randvoll habt“, schärfte die Holzfäller-Frau ihren Kindern ein, als sie sie in den Wald entließ.
Die zogen mit frischem Mut los, sie kannten das ja seit langem. Zunächst fanden sie auch so viel, dass sie sich die schönsten Beeren in den Mund steckten, sie hatten ja auch Hunger. Als es aber zu dunkeln begann, waren ihre Körbe gerade einmal bis zur Hälfte gefüllt.
Nun war guter Rat teuer. Nach Hause trauten sie sich nicht. Zu gut kannten sie den Zorn ihrer Mutter und - schlimmer noch - die hungrigen Augen ihrer Geschwister. So blieben sie unter einer dicken Eiche sitzen, bis der Mond über dem Moor aufging und gespenstisches Licht durch die Bäume schickte. Und als Kinder des Waldes wussten sie natürlich auch, dass es gefährlich ist, nachts durch den Sumpf zu gehen.
Sie mochten wohl ein wenig eingeschlafen sein, schreckten aber plötzlich hoch; denn vor ihnen stand ein alter Mann mit großem grauen Bart. Doch im Licht des Mondes, das ihn beschien, sahen sie sein freundliches Lächeln. Der Mann deutete an, ihm zu folgen. Nur zögernd erhoben sie sich, griffen nach ihren halbvollen Körben und folgten dem alten Mann. Ihr Instinkt sagte ihnen trotz aller Angst, dass ihnen nichts Böses geschehen würde. Dennoch hielten sie etwas Abstand, bis der Mann ihnen andeutete, dicht hinter ihm herzugehen, um ja nicht vom festen Weg im schwankenden Moor abzukommen. Bei alledem sprach der Moorgeist kein Wort, sah nur manchmal nach hinten, um sich zu vergewissern, dass die Kinder auch bei ihm blieben.
So mochten sie vielleicht eine halbe Stunde gegangen sein, als sie vom gegenüberliegenden Waldrand Licht gewahrten und erregte Stimmen. Im Näherkommen erkannten sie die Rufe ihrer Eltern und die der Bekannten, die da mit Fackeln und Stangen nach ihnen suchten. Schnell gingen die Kinder weiter, und bald hielten die zu Tode geängstigten Eltern die Gesuchten in ihren Armen.
Wo sie denn so lange gewesen seien, fragten Vater und Mutter, und die Kinder erzählten ihnen alles so, wie sie es erlebt hatten. Als sie aber auf den alten Mann kamen und nach ihm Ausschau hielten, war der längst im Dunkel verschwunden. Vielleicht stand er auch als Baum verwandelt irgendwo am Wegrand. Nun nahmen die Eltern ihren Kindern endlich die Körbe ab und waren höchst erstaunt, dass sie nicht halbvoll waren, wie die Kinder ihnen erzählt hatten, sondern bis über den Rand mit Beeren, Pilzen und Früchten gefüllt. Doch erstaunter noch als über die Menge der Waldfrüchte waren sie über das Gewicht. Als sie in die Tiefe griffen, hielten sie in ihren Händen blanke Taler.
Nun hatten sie für lange Zeit keine Not, und die Frau entließ ihre Kinder nie wieder mit dem Befehl, nur mit gefüllten Körben nach Hause zu kommen.

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